#03 Multioption und der Zwang zur Häresie

Vor fast 20 Jahren schrieb der Soziologe Peter Gross „Die Multioptionsgesellschaft“. Darin beschrieb er die Steigerungslogik des „Immer mehr“ in der Moderne. 15 Jahre zuvor sprach Peter L. Berger vom „Zwang zur Häresie“. Gemeint war, dass in heutiger Zeit die Abweichung zur Normalität geworden ist. Nichts ist mehr einfach wie ein Schicksal vorgegeben, alles muss gewählt werden. Das betrifft natürlich auch das religiöse Feld. Die Frage ist nicht mehr ob, sondern welche Art von Christ man sein möchte.

2 Gedanken zu „#03 Multioption und der Zwang zur Häresie“

  1. Hallo Jens,
    ich finde deine Ausführungen zur Multioptionsgesellschaft interessant. Allerdings erkenne ich bei den Beispielen ab 10:37 eine klare Nuance zu einer schlechten und einer guten Option. Wenn man Leute fragen würde, würden die meisten vermutlich die zweite, gute Option als Ideal bejahen. Daher empfinde ich die Beispiele nicht sehr hilfreich, weil sie letztendlich nicht gleichbedeutende Optionen darstellen. Die Multioption wird ja dann erst zur Herausforderung, wenn es mehrere gute Optionen gibt. Anstatt „persönliche Glückserlebnisse“ und „soziale Gerechtigkeit“ könnte man beispielsweise auch soziale Gerechtigkeit neben Klimaschutz oder Weitergabe des Evangeliums stellen. Hier würden die Antworten bestimmt viel unterschiedlicher ausfallen und es kommen dadurch auch Konfliktpunkte innerhalb der Kirche zum Vorschein.

    1. Hallo Jürgen,
      meine Aufzählung waren ja nur Beispiele. Jede:r kann das für sich ja gewichten, wie er/sie möchte. Wobei: Wenn du meine zwei Pole als “schlechte und gute” Option wahrnimmst, sagt es ja schon etwas über deinen inneren Wertekanon aus. Denn: Es gibt (leider) durchaus Frömmigkeitsrichtungen, die “soziale Gerechtigkeit” als unnötige Energieverschwendung einschätzen und betonen, dass es vorrangig um das persönliche Heil und das ewige Leben ginge. Alles andere wäre Ablenkung. Dir scheint das vermutlich abwegig, weil für dich völlig klar ist, dass sich Frömmigkeit auch im Engagement für die (Um-)welt zeigen muss.
      Ich gebe dir völlig recht: Die Multioption wird erst dann wirklich anstrengend, wenn man zwischen zwei guten Wegen wählen muss.

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