#refocus 11 – Vierfaches Weltbild, Teil 2

  • Die Übertragung des vierfachen religiösen Weltbildes auf den christlichen Glauben.
  • Das klassische Christentum.
  • Das liberale Christentum.
  • Wiederentdeckung: Das mystische Christentum.
  • Und? Inhaltsloses Christentum?
  • Begriffe in den vier Mustern: Weg-Metapher, Jesusbild, Menschenbild, Bekehrung/Heiligung, Glaube.
  • Was heißt das für den Handlungsrahmen? Wie finden wir Kontakt zur säkularen Gesellschaft? Welche Veränderungen im christlichen Glauben könnten sinnvoll sein?

Ein Gedanke zu „#refocus 11 – Vierfaches Weltbild, Teil 2“

  1. Vielen Dank für dies Vordenken zur Einordnung und Handlungsorientierung für die Vermittlung von Christus, mit dem Ziel die Gesellschaft breitflächig davon profitieren zu lassen.

    Dazu fielen mir folgende Anmerkungen ein.

    Bei den Mustern handelt es sich um Formen des Erlebens, des Wahrnehmens und des Denkens.
    Jedes Muster setzt in diesen Kategorien unterschiedliche Schwerpunkte.

    Sprache ist weitgehend auf die Benutzung von Gegensätzen angewiesen.
    Die gesamte Darstellung ist deshalb 2-lastig.
    1+0 sind durch Sprache nicht vermittelbar, können aber erlebt werden.
    Die 3 ist in sich nicht kongruent: Einerseits wird eine Entwicklungsrichtung postuliert, welche ein Werturteil impliziert – andererseits beschreibt sie die Vielzahl der Erscheinungen, aus denen sich kein Werturteil ableiten läßt, sie ist die nicht 2 oder die 2 .

    Überleben ist ohne Werturteile langfristig nicht möglich.
    Noch akuter zwingt die Vermeidung von Schmerz zu Werturteilen: Alles was hilft den Schmerz zu vermeiden oder zu lindern ist besser, es sei denn es gibt einen höheren Wert, Überleben zB, von einem selbst oder der Nachkommen, um den Schmerz auszuhalten, sei es nun bewußt oder intuitiv.

    0,1,3 können zur Informationssamlung und Energiegewinnung beitragen,
    aber ohne die 2 kann Mensch nicht überleben. Nur 2 ist lebbar..
    Auch die Entscheidung eine Zeit für für 0,1,3 und nicht mit 2 zu verbringen, ist ein Werturteil

    In welchen Mustern erfolgt nun der Informationsaustausch zwischen Gott, Mensch als Individuum und Welt (Natur + Menschen) ?

    Der Mensch lebt zunächst in einer Kultur, deren Struktur er kennt. Deshalb kann er Dinge voraussagen. Dies vermittelt ihm Sicherheit.
    Alles außerhalb dieser Struktur, das strukturlose Chaos macht Angst.

    Gott wird vom Menschennatürlicherweise transzendent, also jenseits der Struktur wahrgenommen, eher die 0, in der “Furcht Gottes”, seiner nicht zu ertragenden Gegenwart, unberechenbar alles verursachend, was nicht vorhersehbar ist.

    Aus christlicher Sicht reduziert Gott sein Selbstverständnis auf die 2, damit ihn der Mensch verstehen kann. Er gestaltet seine Beziehung zum Individuum in der 2. Er reduziert seine geistliche Welt auf die 2.

    Der Mensch nimmt die Welt in der Vielzahl ihrer Erscheinungen wahr, die 3, und gestaltet sie Ordnung gebend mit der 2. Dabei entscheidet er selbst, welche der vielen Möglichkeiten, die 2 auf die Welt anzuwenden er wählt. (Die Kunst dabei ist die Unterscheidungen so zu wählen, dass sie das Überleben fördern.)

    Welt und Mensch erleben Gott in der 1 als Leben gebend.
    Gott nimmt die Welt in der 3 wahr und gestaltet sie (wie der Mensch) mit der 2.
    Was er darüberhinaus mit der Welt anstellen könnte, ist Mensch nicht zugänglich.

    Gott spricht zwar in der 2 über sein Erleben,
    wie es für den Menschen relevant ist und um die Beziehung zum Menschen zu gestalten.
    Dies bedeutet jedoch nicht, dass Mensch genauso wie Gott seine Beziehung zu anderen Menschen ausschließlich in der 2 gestalten sollte.
    Die Beziehung des Menschen zu Gott ist asynchron.
    Seine Beziehung zu anderen Menschen auf Augenhöhe, vor Gott gibt es keinen Unterschied der Person.
    Die Beziehung des Menschne zur Natur ist von gegenseitiger Bedrohung geprägt, also asynchron.

    Als Gottes Mitarbeiter und Botschafter ist es für den Menschen sinnvoll wie Gott in der 2 über die spirituellen Dinge zu sprechen, vorausgesetzt er interagiert zwischenmenschlich auf Augenhöhe.

    Grob lassen sich 0-3 auch verschiedenen Entwicklungsstufen des Menschen zuordnen:
    1 – Die Symbiose mit der Mutter
    2 – Das operationale Kind
    3 – Der die Welt gestaltende Erwachsene
    4 – Der Profi, der die Technik so sehr verinnerlicht hat, dass er nur noch aus dem Moment heraus zu handeln braucht und kann.

    Umso wichtiger ist es deshalb gerade gegenüber Erwachsenen, welche sich in der 3 bewegen, zwischenmenschlich nicht in der asynchronen 2 zu operieren.

    Dies wird korrumpiert durch das EGO, welches zwischenmenschlich zur asyncronen Beziehung tendiert und glaubt, das Wichtigste, was jemand im Leben vermitteln könnte, wäre das Richtige oder das Gute – eine Folge der Unterscheidung von gut und böse.
    Gottes Ziel ist jedoch nicht, dass der Mensch lernt Gut und Böse zu unterscheiden, sondern das er das Leben wählt und zwar umsonst – Das einzige was Mensch dabei “richtig” machen kann, ist sich lieben zu lassen. Dies kann 1- Erfahrungen triggern. Im Rahmen des Missionsbefehls sollen sie jedoch in asynchroner 2 Struktur vermittel werden: Dass jedes für den Menschen denkbare Hindernis dieser Erfahrung asynchron von Gott her beseitigt wurde.

    Es werden eine Vielzahl von negativen Eigenschaften der 2- orientierten Christen benannt, die man ohne Frage auch beobachten kann.
    Meiner Ansicht nach entstehen sie aber nicht durch den Denkstil der 2. , in dem Gott mit ihnen über sich und seine Welt spricht, sondern unter anderem durch
    1. eine Umkehrung der Asynchronität: Ich werde wichtiger als Gott.
    2. Ableitung von Gottes Identität aus der Vielzahl der Erscheinungen
    3. Verzerrung der Identität Gottes oder des Menschen durch Überbetonung eines Poles

    Dies will ich an einigen Beispielen verdeutlichen:
    An der 2 Christenheit wird kritisiert, sie würde den Menschen durch seine Unfähigkeit, sich zu erlösen zu klein machen. Die unfassbar überfließende Größe der Gnade, die in Jesus Christus gekommen und nicht zuletzt am Kreuz demonstriert wurde zeigt aber gerade, wie bedeutsam der Mensch für Gott ist, zunächst als Individuum, dann als Mitarbeiter. Jesus hat seine Jünger nicht erwählt, weil er sie unverständig als Nichtsnutze ertragen möchte, sd damit sie ihre Sehnsucht nach dem Reich Gottes mitgestaltend erleben konnten.
    Ein weiterer Vorwurf an die 2 ist, sie sei zu verkopft, um die Liebe Gottes dem Sünder emotional fassbar zu machen. Meiner Ansicht nach hindert die 2 orientierte Christenheit ihr Kopf nur, wenn sie ihm mehr vertraut als dem Gott, der sich selbst aus Mitgefühl für den einzelnen mit seinem ganzen Leben als Mensch eingesetzt hat.
    Die 2 orientierten Christen hindert nicht die Struktur der 2 die Liebe Gottes zu erleben, auszuleben und dadurch zu vermitteln. Sie hindert eine verdrehte Asyncronität, die dem Beitrag des einzelnen Christen zur Bewältigung einer beliebigen Aufgabe eine höhere Bedeutung einräumt als Gottes Beitrag dazu.
    Die Christen handeln dabei bewußt oder unbewußtals so, als ob sie selbst jemals von sich aus mehr anbieten könnten, als Gott bereit war zu geben und heute wieder geben will.

    Damit sind wir beim Thema Empfangen bzw glauben.
    “Glaube” wird für die 2- Christen angeblich auf Unterwerfung, Buße und Hingabe reduziert.
    Dies halte ich für eine gnadenlose Verkürzung der für jeden Menschen zentralen Tätigkeit des Glaubens. (Ich spreche von Tätigkeit, um den Vorwurf von oben zu entkräften in der 2 könnten die Christen nichts tun. Tätigkeit meint aber nicht eigene Werke, sondern die Tätigkeit des Ruhens, in dem was Gott bereits getan hat. – Und Ruhen bedeutet nicht, dass ich umso besser glauben könnte, je mehr eigenes ich zugunsten der Einheit mit Gott im Sinne der 1 oder zugunsten der Strukturlosigkeit im Sinne der 4 aufgegeben wird. – siehe unten )

    Über die für Christen zentrale Tätigkeit des Glaubens lassen sich problemlos im Muster der 2 andere Elemente aller 4 Muster in den überlieferten Reden von Gott als Mensch und von seinen Nachfolgern zu finden.
    Glauben bedeutet hier vor allem empfangen, aber nicht unfreiwillig, also ist auch aktives Nehmen erforderlich, es darf also ein Werturteil gefällt werden, ob ich das was ich von Gott nehme auch gut für mich ist. Ich nehme es, weil ich es für gut halte. Dazu ist es umsonst. Ich muss mich nicht durch Unterwerfung opfern. Ich darf sogar aus der Vielzahl der Möglichkeiten aussuchen, wofür ich Gott glauben möchte (3). Es erfordert nur meine Struktur Richtung Unfassbarkeit der Gnade zu öffnen (die 0) und Gott zuzustimmen, dass er aufgrund seiner Identität für mich ist – die Einheit der 1.

    Gott spricht durch Schöpfung, dann durch das Gesetz, dann durch die Propheten und zuletzt nicht überbietbar durch seinen Sohn – weshalb jetzt zur Schöpfung im Sinne der 1 zurückkehren ?

    Die egozentrierte 3 meint sich vorbehalten zu können, wann sie in der 2 operiert und verbietet es anderen, sobald sie sie kritisieren. Sie will ein reines Machtspiel als Selbstzweck.
    Dazu wird gnadenlos die Seite der Realität getilgt, welche die eigene Position schwächt.
    Auf diese Weise kommt es zu Konflikten mit der asynchronen Botschaft der Christen, selbst wenn sie auf Augenhöhe vermittelt wird. Meiner Ansicht nach kann hierbei nicht die Lösung sein, auf die 3 oser die 1 auszuweichen, sondern es ist die Aufgabe des Botschafters die Tilgung aufzudecken.

    Es gibt immer 2 Seiten der Archetypen:
    Den weisen König und den Tyrannen.
    Den Retter aus dem Chaos und den Widersacher.
    Die nährende Seite der Natur und die Leben bedrohende Seite
    Die Frau der Fürsorge und die böse Königin

    In gewisser Weise lebt der autonome Mensch, der Gottes Mitgefühl für ihn nicht erleben kann, in der 3.
    Er trifft Werturteile so wie es ihm sinnvoll erscheint und seine Lebensgeschichte bewegt sich dabei in eine Richtung, ohne dass er mit der Kraft, die die Richtung erzeugt und bestimmt in eine Beziehung kommt. Es ist die Kraft seines Lebens und er kann sie in der 1 und der 4 erleben.
    Wenn Christen zu ihm über die Beziehung zu Gott in der 2 sprechen, glaubt er zunächst, es handle sich um eine der vielen Unterscheidungsformen im 2er Muster, wie er sie selber täglich erzeugt.
    Die Botschaft ist jedoch, dass die Kraft seines Lebens selbst zu ihm im 2er Muster spricht – zumal er offensichtlich etwas anderes auch nicht verstehen kann.

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